Willkommen auf unserem Museumsblog!

Blickt mit uns hinter die Kulissen des Museumsalltag: Wie kommt ein Exponat in die Vitrine? Wie wird Geschichte gemacht und wer macht sie eigentlich? Wie arbeitet unsere Stadtarchäologie?

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Die winterliche Pfalz

Weihnachten feiern wie Kaiser Heinrich II. (Teil 2)

„Auf diese Einladung hin kündigte der Kaiser dem Bischof sein Eintreffen an und befahl, alles Notwendige für sein Bad vorzubereiten.“ (Vita meinwerci, Cap. 178)  

Bei der Beschäftigung mit historischen Quellen gibt es eine wichtige Voraussetzung: Kritisch bleiben! Deswegen wird das Ganze auch „Quellenkritik“ genannt. Es geht um die Frage: Inwieweit entspricht der Quellenbericht den tatsächlichen (historischen) Verhältnissen?

 

Alles real oder was?

Eine Besonderheit der Vita meinwerci  ist, dass die Lebensbeschreibung 130 Jahre nach dem Tod Meinwerks verfasst wurde. Daher sind alle Informationen mit Vorsicht zu genießen, natürlich auch die zum Weihnachtsfest!  Der Schreiber der Vita, der übrigens sehr wahrscheinlich im Benediktinerkloster Abdinghof lebte, verfolgte bei der Abfassung ein bestimmtes Ziel: Er wollte damit an die erfolgreiche Politik Bischof Meinwerks unter den Königen Heinrich II. und Konrad II. erinnern.  Unsere Weihnachtsanekdoten zielten also hauptsächlich auch darauf ab, die Königsnähe Meinwerks zu betonen. Und Nähe zum König bedeutete gleichzeitig Macht und Einfluss.

 

Singen und Geschenke, Geschenke, Geschenke

„Damit [mit einem neuen Mantel] kleidete er den Kaiser nach dem Bad am Vorabend des Festtages. […] Nach dem Singen der Vesper an Heiligabend sandte der Kaiser dem Bischof seinen wundervoll gearbeiteten Becher mit Most […]“ (Vita meinwerci, Cap. 179)

Und dennoch kann in den Zitaten aus der Vita ein wahrer Kern stecken. Der Autor der Vita beschreibt, dass Heinrich sich mit einem Bad auf den wichtigen Anlass vorbereitete.  Das Reinigen des Körpers gehörte also auch in der Vorstellung des Abdinghofer Mönchs zu Weihnachten dazu. Im lateinischen Originaltext steht das Wort „vigilia“, was den Tag vor einem hohen Fest, also den 24.12. bezeichnete. Der eigentliche Weihnachtstag war der 25.12.

Heinrich II. besuchte an Heiligabend das liturgische Abendgebet, die Vesper, im Dom.  Dazu gehörten auch das Entzünden von Lichtern und der Einsatz von Weihrauch. Und: Es kam laut Vita zum Austausch eines Mantels und eines Bechers, also von Geschenken, was uns heute als nette Geste und Mittel zum Verbreiten guter Stimmung auch nicht unbekannt ist.  

Das Team des Museums in der Kaiserpfalz wünscht allen eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Start in das Jahr 2016!!!

 

Text: K. Wochnik

Publikationsdatum: 16.12.2015

Themen: Ein Blick hinter die Kulissen, Und sonst?