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Blickt mit uns hinter die Kulissen des Museumsalltag: Wie kommt ein Exponat in die Vitrine? Wie wird Geschichte gemacht und wer macht sie eigentlich? Wie arbeitet unsere Stadtarchäologie?

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Der verschneite Weg zum Museum

Weihnachten feiern wie Kaiser Heinrich II. (Teil 1)

"Bischof Meinwerk aber beeilte sich, das begonnene Kloster [Abdinghof] zu vollenden, und lud den Kaiser, als der Chor flach eingewölbt war, zum Weihnachtsfest nach Paderborn ein.“ (Vita meinwerci, Cap. 177)

Ich bin „Paderborn-Frischling“ und habe erst vor kurzem mein Volontariat im Museum in der Kaiserpfalz begonnen. Seitdem habe ich Spannendes über die Geschichte der Pfalz und über die Stadtgeschichte Paderborns gelernt. Dabei ist mir aufgefallen, dass offenbar auch die Kaiser im Mittelalter das Weihnachtsfest in Paderborn gefeiert haben. So zum Beispiel Heinrich II. im Jahr 1015. Noch zwei weitere Male (1018 und 1022) hat dieser Kaiser Weihnachten in Paderborn verbracht, das belegen Urkunden aus der Zeit. Ihm hat es anscheinend gut gefallen. Bei mir kam daher die Frage auf, wie man sich das denn allgemein vorstellen kann, „Weihnachten im Mittelalter“. Wie genau feierte der Kaiser das Fest und seit wann wurde es überhaupt begangen? Gab es auch Geschenke und leckeres Essen? Wie wurde die Adventszeit verbracht? Diesen Fragen möchte ich im Laufe der nächsten Wochen nachgehen und am Rande zeigen, wie HistorikerInnen eigentlich arbeiten.

 

Die Grabplatte Bischof Meinwerks

Als Historikerin habe ich es immer mit zwei Arten von Materialien zu tun: Einmal mit dem, was als „Quelle“ bezeichnet wird, also mit Zeugnissen aus der Vergangenheit, und andererseits mit dem, was andere schon vor mir herausgefunden und in Büchern und Aufsätzen veröffentlicht haben. Das sind auch meine wichtigsten Anhaltspunkte bei der Beantwortung der oben gestellten Paderborner Weihnachtsfragen. 

Darüber, wie die Menschen im Mittelalter die Advents- und Weihnachtszeit feierten, gibt es wenige historische Nachrichten. Erstmals wird das Fest der Geburt Jesu Christi für Rom im Jahr 335 erwähnt. Während der Regierungszeit Konrads II. (1038) gab es anscheinend sogar noch Streit darüber, wann denn nun die Adventszeit beginnen soll. Also nix mit Adventskalender, Kranz und weihnachtlichem Frieden!

Fest steht, dass die meisten Traditionen, die wir heutzutage pflegen, erst im 19. Jahrhundert schriftlich aufgezeichnet wurden. Es ist schwierig, diese Traditionen zurück ins Mittelalter zu projizieren. Als Historikerin kann man daher nur hoffen, dass in den schriftlichen Quellen selbst Hinweise stecken. Eine der wichtigsten Quellen zur Geschichte Paderborns im Mittelalter ist, wie ich gelernt habe, die Vita meinwerci,  die Lebensbeschreibung Bischof Meinwerks. Vielleicht hilft ja ein Blick in diese Vita, um dem weihnachtlichen Geschehen, zumindest für Paderborn und Heinrich II., auf die Spur zu kommen? Fortsetzung folgt…

Text: Katharina Wochnik

Publikationsdatum: 09.12.2015

Themen: Ein Blick hinter die Kulissen, Und sonst?