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Blickt mit uns hinter die Kulissen des Museumsalltag: Wie kommt ein Exponat in die Vitrine? Wie wird Geschichte gemacht und wer macht sie eigentlich? Wie arbeitet unsere Stadtarchäologie?

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Neue Ausgrabungen auf dem Paderborner Domplatz

Seit der zweiten Januarwoche ist die Stadtarchäologie Paderborn wieder im Rahmen einer baubegleitenden Maßnahme auf dem Domplatz tätig. Hier soll eine alte Kanaltrasse erneuert werden, wobei technische Gründe dazu führten, dass nicht der alte Kanalschacht, sondern eine gänzlich neue Trasse angelegt werden muss. Die Grabungsfläche besteht aus einem rund 2,5m breiten und etwa 60m langen Schnitt, der nahezu den gesamten Südrand des Domplatzes zwischen Gaukirche und dem Ostrand des Platzes abdeckt. Da es einen so langen Grabungsschnitt auf dem Domplatz bisher noch nicht gegeben hat, sind alle Teilnehmer der Grabung sehr gespannt, was es zu entdecken geben wird.


Durch vorangegangene Grabungen haben wir bereits eine gewisse Vorahnung, was wir zu erwarten haben. So kann z. B. mit einer Vielzahl mittelalterlicher Planierschichten gerechnet werden, die seit karolingischer Zeit hier immer wieder aufgetragen wurden. Darüber hinaus sollten Reste der alten Friedhofsmauer nachweisbar sein, die das Areal bis in die Neuzeit hinein vom übrigen Stadtgebiet abtrennte. Schließlich ist auch mit einer Vielzahl von Gräbern zu rechnen, wenn der Grabungsschnitt den Bereich des alten Friedhofsareals überlagern sollte.

Früh morgens, kurz nach 8 Uhr. Es ist kaum hell, da entfernt der Bagger die tags zuvor aufgetrennte Asphaltdecke.

Marian und Chris tun so, als ob sie selbst den Bagger bedient hätten…

Nachdem der Asphalt mit dem LKW abtransportiert worden ist, zieht der Bagger nun die obere Schotterschicht ab. Schnell wird deutlich, dass hier die Reste einer Ost-West verlaufenden Mauer zu erkennen sind. Vermutlich die erwartete Friedhofsmauer. Tatsächlich liegt der Befund in der Flucht älterer Mauerreste, die wir letztes Jahr vor der Gaukirche angetroffen haben. Also alles ganz vielversprechend…

Die Mauer auslassend geht der Bagger jetzt nördlich und südlich der Mauer vorsichtig tiefer, um evtl. erhaltene Schichten freizulegen. Nördlich, also links der Mauer sollten irgendwann Reste von Bestattungen auftauchen, während Rechts mit den oben erwähnten Planierschichten zu rechnen ist.


Es hilft nichts, ab jetzt ist Handarbeit gefragt. Von Nord und Süd versucht das Team die Mauerreste und das Profil unterhalb des erhaltenen Mauerfundaments freizulegen.
Dabei wird deutlich, dass der Bereich unten, also im Süden durch den alten Kanalschacht gestört ist. Also nichts mit erhaltenen Planierschichten.

Vielleicht haben wir ja im weiteren Verlauf des Schnittes noch Glück.
Der Bagger macht jedenfalls erst mal weiter bis zur Hälfte der geöffneten Fläche. Die Mauer bleibt auf der vollen Länge nachweisbar und läge somit direkt in der Mitte unserer weiteren Grabung. Wenn wir tiefer gehen wollen, müssten wir sie entfernen. Schade für das Denkmal! Das muss erst mal mit dem Stadtentwässerungsbetrieb geklärt werden – vielleicht lässt sich die gedachte Neutrasse für den Kanal noch ein weiteres Mal verlegen.

Bleibt also erst mal Zeit für einen Kaffee, den uns eine interessierte Passantin netter Weise spendiert hat (Vielen Dank an Helga!!!).
Wie es weiter geht zeigen wir in der nächsten Woche, denn diese Woche ruhen die Arbeiten wegen des Frostes.

 

Text: K. Mückenberger