Willkommen auf unserem Museumsblog!

Blickt mit uns hinter die Kulissen des Museumsalltag: Wie kommt ein Exponat in die Vitrine? Wie wird Geschichte gemacht und wer macht sie eigentlich? Wie arbeitet unsere Stadtarchäologie?

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Frau ist mit Google auf der Suche.Foto: W.Iven/Pixabay

Ständig auf der Suche

Das Europäische Kulturerbejahr im Museum in der Kaiserpfalz

Wir Menschen suchen ein Leben lang: nach einem Sinn, dem richtigen Partner, unserem Platz in der Welt, den Autoschlüsseln oder dem zweiten Socken (der spurlos in der Waschmaschine verschwunden ist). Wir sind auf Nahrungssuche, Jobsuche, Wohnungssuche und Kontaktsuche. Erfolgreiches Suchen heißt Aufspüren – ein Vorgang, der nicht nur müßig sein muss! Viele machen gar das Suchen zu ihrem Beruf. Man denke an Ärzte, die Krankheitsursachen suchen, Polizisten, die Indizien verfolgen, Wissenschaftler, die nach Erkenntnissen suchen, wozu u.a. Archäologen gehören, die nach Hinterlassenschaften von Menschen vergangener Zeiten suchen.

Das Jahr 2018 steht für das Museum in der Kaiserpfalz gleich in mehrfacher Hinsicht unter dem Zeichen der „Spurensuche“: Nachdem das neue Begleitheft für Familien Steinalt? Auf Spurensuche in der Kaiserpfalz im Mai erschienen ist, folgen gleich zwei Projekttage zum Thema „Europa in Westfalen. Spurensuche im Denkmalbestand“, die unter der Schirmherrschaft der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen stattfinden. Wir haben nämlich nicht nur archäologische Spuren in unseren Vitrinen, sondern das Gebäude selbst hält als Denkmal viele Hinweise bereit, die den aufmerksamen Beobachter in die Vergangenheit führen.

Europa in Westfalen Logo

Doch zurück zum Anfang, wo jede Spurensuche beginnt: Seit dem „Europäischen Denkmalschutzjahr“ 1975 gibt es erstmalig wieder ein besonderes Jahr für alle Denkmalschützer und Denkmalfreunde – das Europäische Kulturerbejahr 2018! Unter dem Slogan „Sharing Heritage“ legen Projekte die weit und tief miteinander verwachsenen Wurzeln Europas frei. Es gilt zu erleben, zu bewahren und zu teilen, was uns verbindet! Die Kaiserpfalz oder besser gesagt: die Kaiserpfalzen in Paderborn sind ein wichtiger Beleg für die weitreichende Vernetzung „Europas“ im frühen Mittelalter. Nicht nur Karl der Große als pater Europae (Vater Europas) hinterlässt uns mit den Grundmauern seines Königspalastes eindrucksvolle Spuren aus dem 8. Jahrhundert, sondern auch Heinrich II. aus dem 11. Jahrhundert. Seit dem Wiederaufbau seiner Pfalz 1978 ist hier das Museum in der Kaiserpfalz untergebracht. Es schildert die Baugeschichte der Pfalzen, informiert über das Frühmittelalter in Westfalen und zeigt die neuesten Befunde der Stadtarchäologie Paderborns. Denn Paderborn war, anders als viele glauben mögen, vor allem im frühen Mittelalter ein wichtiger Ort, an dem Weltpolitik gemacht wurde. Hier wurde Einfluss auf die Entwicklung unseres späteren Europa genommen. Das ist zwar altbekannt, doch gerade dieses Jahr hat uns zum immer wieder neu hinschauen herausgefordert.

So gehen wir gleich an zwei Tagen zu Europa in Westfalen auf die Spurensuche in unserem Denkmalbestand hier in Paderborn. Heute (06.07.) fand der erste statt. Zahlreiche Besucher erfreuten sich bei schönem Wetter an den Mitmachaktionen und dem historischen Reenactment aus der Region. Zudem hielt Prof. Michael Rind, der Direktor der LWL-Archäologie für Westfalen, einen Vortrag und es gab eine neu entwickelte Führung. Diese rückte vor allem die kulturelle Vielfalt an den Quellen der Pader und im westfälischen Raum zur Karolingerzeit. Spuren dieser Reichhaltigkeit lassen sich nicht nur im Leben bei Hofe, sondern auch im Alltagsleben der Bewohner entdecken. Wer heute nicht dabei sein konnte, braucht nicht zu verzagen, denn die Führung zu den Spuren Europas wird demnächst jederzeit buchbar sein.

Eindrücke vom Echy-Tag

Weiter geht es dann im Oktober mit einem neuen Kurzfilm, der am 26.10. gezeigt und anschließend in die Dauerausstellung integriert wird. Gezeigt werden soll das Modell eines prächtigen Hofes hier an der Pader zu Beginn des Frühmittelalters (um 500 n. Chr.). Eine gewagte und spannende Arbeit, da solche Gebäude nicht wie die Pfalzen aus Stein gebaut wurden. Alles, was die Archäologen haben, sind Spuren im Boden. Nun brauchen wir dazu noch vergleichbare Befunde, möglichst alle Antworten auf die vielen Fragen und letztendlich natürlich 3D-Rekonstrukteure. Uff! Unsere Suche hört hier und heut sicher nicht auf …

 

Übrigens: Auch der Tag des offenen Denkmals (09.09.) ist an einer der Höhepunkte von Sharing Heritage. Wir freuen uns, gleich mit 2 Pfalzen an 3 Tagen dabei zu sein! Macht ihr mit? ;-)

 

 

Sarah K. Weber mit Anna Ewers und Nadine Merschmann

Publikationsdatum: 04.07.2018

Themen: Was ist da los?