Willkommen auf unserem Museumsblog!

Blickt mit uns hinter die Kulissen des Museumsalltag: Wie kommt ein Exponat in die Vitrine? Wie wird Geschichte gemacht und wer macht sie eigentlich? Wie arbeitet unsere Stadtarchäologie?

Ansprechen und Mitmachen sind sehr willkommen!

Mykene: Das sog. Löwentor ist das Haupttor der antiken Stadt Mykene und befindet sich im Nordwesten der befestigten Anlage, mykenisch, Mitte 13. Jh. v. Chr. © Badisches Landesmuseum

Mykene – Die sagenhafte Welt des Agamemnon

Im Rahmen des #ArchaeoSwap 2018 hat das Badische Landesmuseum Karlsruhe für einen Tag unsere Kanäle übernommen. In Karlsruhe eröffnet im Winter eine große Sonderausstellung über Mykene.  Denise Rothdiener hat Dr. Katarina Horst, Kuratorin der Ausstellung „Mykene – die sagenhafte Welt des Agamemnon“ (ab 1.12.18 in Karlsruhe) getroffen und zu der Ausstellung befragt.

Griechenland, lange vor unserer Zeit, ein imposantes Löwentor inmitten kyklopischer Mauern und Agamemnon, der düstere Anführer der Griechen im Kampf gegen Troia – dies alles ist Mykene. Treffen wir all das in der Ausstellung wieder?

Katarina Horst: Schon im römischer Zeit gab es die Bezeichnung „das goldreiche Mykene“ und genau das werden sie sehen: Sie werden nicht nur Agamemnon in seiner Trutzburg Mykene treffen, sondern weitere Helden Homers bzw. deren persönliche Sachen antreffen, so den goldenen Siegelring des attischen Theseus, die prächtige Krone des Königs von Routzi, das edle Geschmeide einer Klytemnästra und eben die berühmten Schliemann-Funde aus Mykene. Mal wieder bauen wir eine skenographische Ausstellung auf und so stehen Sie dann in einer eins-zu eins Rekonstruktion vor dem Löwentor und dann später im Thronraum von Pylos.

Tongefäße, spätmykenisch, 13.-12. Jh. v. Chr, Badisches Landesmuseum © Badisches Landesmuseum, Foto: Th. Goldschmidt

Gibt es etwas von dem man sagen kann, das ist „typisch mykenisch“? Was wäre das?

Katarina Horst: Das typische der mykenischen Zivilisation findet man nicht in den Objekten, die sind ohnehin eine Adaption des minoischen Kreta, sondern in dem Willen sich schnell neue Sachen anzueignen, Herrschaft über ein Gebiet zu erlangen und durch Kontrolle und Verwaltung zu sichern. Heute würde man sagen: „open mind“, „power“ und „controlling“. Das erzählen wir natürlich auch in der Ausstellung. Es ist bewundernswert in welcher Geschwindigkeit die Menschen in Mittelgriechenland um die Mitte des 2. vorchristlichen Jahrtausends eine so komplexe Hochkultur aufgestellt haben und das wilde Land zu blühenden Kulturlandschaften verwandelt haben, die Kontakte zu den großen Kulturen nach Ost (Hettiter), Süd (das alte Ägypten zur Zeit Ramses) und West (die Altitalischen Stämme) hatten.

Goldmaske aus Schachtgrab von Mykene © Badisches Landesmuseum

Welche Highlights werden in der Ausstellung zu sehen sein?

Katarina Horst: Als Heinrich Schliemann 1876 in Mykene die Gräber entdeckte, die über und über mit den prächtigsten Sachen gefüllt waren, nannte er diese von ihm entdeckte Kultur „mykenisch“. Natürlich haben wir einige dieser historisch berühmten Schliemann Funde in unserer Ausstellung. Besonders stolz sind wir aber über neu gefundene Objekte, die hier zum ersten Mal überhaupt einem Publikum gezeigt werden, so die Funde aus dem vor zwei Jahren endeckten „Greifenkrieger-Grab“ aus Pylos oder die Krone von Routzi, Fußbodenfragmente aus dem Thronraum von Tiryns bemalt mit einem Oktopus, und Objekte aus der bisher wenig bekannten Burg von Theben.

Ermöglicht wird die große Ausstellung durch eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem Griechischen Ministerium für Kultur und Sport und dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg. Wie kam es zu dieser Kooperation?

Katarina Horst: Das ist eine lange Geschichte. Aber „to make a long story short“: es gab 2014 eine Rückführung von zwei Objekten aus unserer Sammlung an den griechischen Staat als Zeichen der Wiedergutmachung eines Zerwürfnisses, das noch aus den 1970er Jahren stammt. Diese große Geste hat den Boden bereitet für eine umfangreiche und intensive Zusammenarbeit. Nun haben wir vier Projekte zusammen vorbereitet, davon ist eins eben diese große Sonderausstellung mit Objekten nahezu ausschließlich aus griechischen Museen, und ich kann sagen: alle Beteiligten auf der griechischen und der deutschen Seite haben viel Freude und Spaß am gemeinsamen Arbeiten. Eine tolle Sache! Und weil es so wunderbar läuft haben wir uns schon neue gemeinsame Projekte für die Zukunft vorgenommen.

Monumentales Tholosgrab beim Palast von Pylos, Foto: Badisches Landesmuseum

Ihr persönlicher Urlaubstipp für Archäologie-Fans?

Katarina Horst: Natürlich ist die Burganlage von Mykene und das in der Nähe gelegene Tiryns „oberste Pflicht“ für jeden Interessierten, der auf den Spuren von Agamemnon wandelt, doch richtig aufregend wird es erst in Pylos, an der südwestlichen Spitze der Peloponnes gelegen. Der Palast des berühmten Helden Nestor ist so gut erhalten, wie kein anderer. Auf einem ringsum weit sichtbaren Hügel in wunderschöner Landschaft gelegen, schützt seit ein paar Jahren eine moderne Überdachung des Palastareals nicht nur die Antiken, sondern macht das Besichtigen zu einem erfrischen Erlebnis. Keine fünf Kilometer davon entfernt liegt wohl der schönste Strand Griechenlands: die berühmte Omega-Bucht, die karibisches Feeling aufkommen läßt. Und schließlich lockt die kleine Hafenstadt Pylos mit wirklich guten Tavernen.

Das Interview führte Denise Rothdiener.

Kuratoren kennen die Herkunftsorte der Objekte natürlich nicht nur aus Geschichtsbüchern: Hier macht sich Dr. Katarina Horst, Kuratorin der Sonderausstellung „Mykene“ selbst ein Bild vom Gräberrund A in Mykene. Er ist Teil eines Friedhofs (Grablege), auf dem wahrscheinlich die Familienmitglieder der Herrscher bestattet wurden – zumindest lässt sich das aus den prachtvollen Grabbeigaben vermuten. Foto: Katarina Horst

Dr. Katarina Horst studierte Klassische Archäologie in Göttingen und schloss ihr Studium mit der Promotion „Die anthropomorphen Terrakotten aus Lato: von der mittelminoischen Zeit bis zum Ende des 6. Jhs. v. Chr.“ ab. Sie ist seit 1997 am Badischen Landesmuseum in Karlsruhe tätig und hat die Leitung der Abteilung Wissenschaft und Sammlungen sowie des Referats Antike Kulturen inne. Ihre Interessen liegen v.a. im Bereich Sammlungsgeschichte und Kulturgutschutz. Für das Badische Landesmuseum engagiert sie sich mit seinen Kooperationspartnern besonders dafür in Sonderausstellungen nur Objekte mit gesichertem Kontext zu zeigen. Derzeit kuratiert sie außerdem die Ausstellung „Mykene – die sagenhafte Welt des Agamemnon“, die ab 1. Dezember 2018 im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe gezeigt wird.

Publikationsdatum: 18.06.2018

Themen: Ein Blick hinter die Kulissen