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Die Bartholomäuskapelle im Kofferformat. Foto: A. Jablonski

Ein Dom zum Anfassen - Teil 4: "Meine eigene Bartholomäuskapelle"

Ein Beitrag von der Künstlerin Alicia Jablonski

Umziehen, Ankleiden, Verkleiden: das sind – oder besser: waren – die Funktionen der Bartholomäuskapelle. Wer hätte das gedacht? Ich nicht! Bis zu einer Führung durch das Museum im Frühjahr 2017. Hier wurde ich auf die besondere Bedeutung der Kapelle aufmerksam.

Ihre einstige Funktion ist heute in Vergessenheit geraten. Dabei ist die Bedeutung der damals durchgeführten Riten auch heute noch Bestandteil unserer westlichen Kultur.

Der Kapelle ist daher mein Museumskoffer gewidmet. Von außen lässt sich nicht erahnen, welche Schätze sich in ihm befinden. Sein schlichtes Äußeres stellt abstrahiert die heutige Bartholomäuskapelle dar. Öffnet der Besucher ihn, so offenbart er wertvolle Gewänder und andere Kostbarkeiten. Ähnlich einem Kleiderschrank, der Vorbild für den Koffer war, da die Kapelle im 11. Jahrhundert diese Aufgabe in gewisser Weise bekleidete. Der Kaiser verwandelte sich in der Kapelle vor Festtagsgottesdiensten von einer irdischen Machtperson in eine geistliche. Durch das Anlegen seines Gewandes, in das ihn ein kirchlicher Würdenträger kleidete, wurde ihm geistliche Macht zuteil. Er war nun nicht mehr nur ein irdischer Herrscher, sondern verband Himmel und Erde. Gleichzeitig bewahrte die Kapelle die Reichsinsignien und das königliche Gewand auf, während der Kaiser in Paderborn residierte.

Der Bauherr der Pfalzanlage, Bischof Meinwerk, wird maßgeschneidert eingekleidet. Foto: A. Jablonski

Bekleiden, das ist der wesentliche Aspekt des Koffers. Zu entdecken sind verschiedene Stoffstücke, die symbolisch für die im 11. Jahrhundert verwendeten Stoffe stehen. Aber auch die kaiserlichen Reichsinsignien, wie Kaiserkrone und Zepter Heinrichs II., oder Perlen, Edelsteine und Weihrauch befinden sich in dem Koffer. Die kleine Kapelle spricht mehrere Sinne gleichzeitig an: Sehen, Riechen und Fühlen. Besonders die haptische Erfahrung des Stoffes beim An- und Entkleiden stehen im Fokus. Denn in der rechten Kofferhälfte stehen zwei Handpuppen, damit die Besucher das Ankleideritual und die damit verbundene Verwandlung persönlich nachvollziehen können. Eine der Handpuppen stellt Heinrich II. dar, die andere Bischof Meinwerk, der die Kapelle in Paderborn erbauen ließ.

Wir feiern in diesen Tagen ihren 1000. Geburtstag. Umso wichtiger, dass die Bedeutung der Kapelle nicht in Vergessenheit gerät. Denn auch heute inszenieren wir uns mit Kleidung, kommunizieren durch sie. Jeden Tag greifen wir aus unserem Kleiderschrank die Hülle heraus, die wir an dem Tag verkörpern wollen. Kleidung gibt die Möglichkeit, sich in die Person zu verwandeln, die wir sein wollen. Ob in einen Kaiser mit geistlicher Macht oder in eine Discoqueen für eine Nacht. Beides ist möglich.