Willkommen auf unserem Museumsblog!

Blickt mit uns hinter die Kulissen des Museumsalltag: Wie kommt ein Exponat in die Vitrine? Wie wird Geschichte gemacht und wer macht sie eigentlich? Wie arbeitet unsere Stadtarchäologie?

Ansprechen und Mitmachen sind sehr willkommen!

Meistens kommt es anders...

Der Grabungsschnitt auf der Südseite des Paderborner Domplatzes hatte ja in den letzten Tagen eine Vielzahl von Befunden erbracht, die nach der kurzen Pause durch die vorangegangenen Frosttage eigentlich unsere ganze Aufmerksamkeit und Arbeitskraft in Anspruch genommen hätten – eigentlich!


Diese Woche hat sich die Situation jedoch zusätzlich verkompliziert, da ein weiterer Kanalgraben ausgehoben wurde, der die Ausmaße unserer ursprünglichen Baustelle noch um ein Vielfaches Übertrifft. Er liegt nur wenige Meter nördlich unseres ersten Schnittes und verläuft mehr oder weniger parallel dazu. In seiner Gesamtausdehnung erstreckt er sich fast über die gesamte Breite des östlichen Domplatzes vor dem Generalvikariat und dem Dom selbst. Damit ist zu vermuten, dass er sowohl das alte Friedhofsareal und auch weitere Innenbereiche der Domburg durchschneidet. Wir müssen also aufpassen, dass uns hier keine wichtigen Informationen entgehen, denn eine so ausgedehnte Einsicht in den Untergrund des Paderborner Domplatzes hat es bisher noch nicht gegeben.

Hier sieht man im Vordergrund den neuen Kanalgraben von Osten aus. Sein Ende befindet sich ungefähr dort wo man den orangenen Bagger sieht – also fast auf Höhe des Diözesanmuseums. Am linken Rand, oberhalb der Straße unser ursprünglicher Baggerschnitt und darüber die Gaukirche.

Und noch einmal der Baggerschnitt in seiner Lage vor dem Dom. Die Abstufungen rühren von einem senkrechten Kanalschacht, der hier für die Überbrückung von Datenkabeln sorgen soll. Links und rechts können wir unterschiedliche Schichten verfolgen, die vom Mittelalter bis in die Neuzeit reichen.

Am Grund des Baggerschnittes taucht ein neuer Mauerzug auf, der in die örtliche Schichtenabfolge eingebunden ist. Für eine Anbindung an die bereits entdeckte Friedhofsmauer aus unserer Ursprungsgrabung liegt sie leider zu tief! Schön wären jetzt ein paar Scherbenfunde, die uns Hinweise auf den Entstehungszeitraum geben könnten.

Auf Anfrage bekommen wir Unterstützung von unserem ehrenamtlich tätigen Metallsondengänger Istvan Pazmandi. Er sucht die bisher freigelegten Bereiche nach verwertbaren Metallfunden ab.

 

Tatsächlich kann er nach relativ kurzer Zeit eine mittelalterliche Kupfermünze und einen weiteren kleinen Metallgegenstand mit figürlicher Verzierung bergen. Während die Münze so unkenntlich ist, dass sie erst mal durch die Hände eines Restaurators gehen muss, ist der andere Gegenstand ganz erhalten. Das Objekt ist dreieckig und hat beidseitige Verzierungen. Auf der vermeintlichen Rückseite kann man so etwas wie eine Kreuzdarstellung erkennen. Die Vorderseite zeigt relativ eindeutig ein bärtiges Gesicht. Aufgrund des Gewichtes könnte es sich um eine Legierung aus Blei und Bronze handeln.


Zur ursprünglichen Funktion kann an dieser Stelle noch nichts gesagt werden. Das Alter ist auf Grund der Darstellung irgendwo zwischen Hochmittelalter und früher Neuzeit anzusetzen, aber da braucht es sicher noch ein wenig Recherche, um zu einer halbwegs gesicherten Aussage zu gelangen. Hinweise und Anregungen durch Dritte sind sehr willkommen…


Trotz unerwarteter Erweiterung unseres Aufgabenbereiches haben wir die Lage auf dem Domplatz noch immer ganz gut im Griff und wir können die Ausschachtungen ohne Probleme begleiten. Allerdings wird es in den kommenden Tagen spannend, ob noch mehr unerwartete Strukturen auftauchen, und ob uns das Wetter nicht wieder einen Strich durch die Rechnung machen wird. Wir bleiben am Ball…

Text: K. Mückenberger