Willkommen auf unserem Museumsblog!

Blickt mit uns hinter die Kulissen des Museumsalltag: Wie kommt ein Exponat in die Vitrine? Wie wird Geschichte gemacht und wer macht sie eigentlich? Wie arbeitet unsere Stadtarchäologie?

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Der Museumsleiter Dr. Martin Kroker zeigt sein Lieblingsobjekt_Foto_LWL_N. Zimmermann

Lieblingsobjekt!

Unsere neue Kategorie widmet sich ganz besonderen Objekten in unserem Museum: Den Lieblingsstücken in der Dauerausstellung.

Der Anfang wird von Dr. Martin Kroker, Museumsleitung gemacht. Er stellt sein Lieblingsobjekt im Museum vor.

: Rekonstruktion der Pfalz im Jahr 799, Innenansicht. Bild: Archimedix GbR, 2013.

Eines der spannendsten Exponate im Museum in der Kaiserpfalz führt uns in die Frühgeschichte der Pfalz und damit an die Anfänge Paderborns.

Viele Bilder der wiedererrichteten Königspfalz in Paderborn finden sich im Netz, auf dieser Internetseite und auch in den Texten des Blogs.  Die schönen Natursteine aus den Steinbrüchen der Umgebung geben dem Gebäude einen wunderschönen „historischen“ Anstrich. Nur, dieser Eindruck ist falsch. Zumindest von der nach 776 errichteten Pfalz Karls des Großen wissen wir, der königliche Palast war verputzt und zwar von innen und von außen. Die Natursteine waren also nicht zu sehen. Die Ausgräber haben nach 1964 mehrere Tausend meistens sehr kleine Fragmente des Wandputzes freigelegt und geborgen. Einige davon sind heute im Museum in der Kaiserpfalz ausgestellt. Für das Museum wurden natürlich die schönsten Stücke ausgewählt. Zahlreiche der kleinen weißlichen Putzstücke wiesen noch eine Besonderheit auf. Sie waren mit einer roten Farbe bemalt. Verschiedene Motive sind erkannt worden. Ranken und Blattpalmetten, also florale Motive, kommen häufig vor, aber Schachbrettmuster, Mäander, Perlstäbe, Vorhänge, Sterne und vermutlich auch Figuren in bunter Kleidung sind nachgewiesen worden.  Wir müssen uns die Gebäude im historischen  Pfalzbezirk bunt und farbenfroh vorstellen.

Dracofragment. Foto: LWL/ Noltenhans

Eine Doktorarbeit ist inzwischen über die Wandmalerei geschrieben worden, die viele Motive geklärt und Vergleichsbeispiele in Oberitalien nachgewiesen hat. Eine Besonderheit sind Fragmente mit Buchstaben, die sich aber mit einer Ausnahme nicht zu einem kompletten Wort ergänzen lassen.  Die Putzreste waren alle zerstört und fanden sich zum großen Teil in Gruben auf dem Pfalzgelände, in denen der Abbruchschutt aus der zerstörten Pfalz Karls entsorgt worden ist. Zur Pfalzanlage gehörte nicht nur der eigentliche Palast, aula regia, also königliche Halle genannt, sondern auch die Kirchen, die Karl der Große errichten ließ. Zunächst die Kapelle von 776/777, die schon bis 799 durch eine Kirche von wunderbarer Größe ersetzt wurde und die 836 noch einen großen Anbau im Westen für die Reliquien des heiligen Liborius erhielt. Auch die Kirchen werden verputzt gewesen sein und einige Forscher möchten gerade den bemalten Wandputz nur den sakralen Gebäuden zuordnen.  Ich glaube, dass auch die königliche Halle mit farbiger Bemalung geschmückt war. Diese Ausmalung ist gemeinsam mit anderen „Luxusfunden“ ein Beleg für den hohen Anspruch des Frankenkönigs an seine Residenz im neu eroberten Sachsen. Hier konnte er 799 den Papst zu Gesprächen empfangen.

Der Restaurator Andreas Weisgerber präsentiert vorsichtig das Draco-Fragment. Foto_LWL_N.Zimmermann

Ein ganz besonderes Stück ist das sogenannte Dracofragment. Auf dem Zwischengeschoss des Museums anschließend an die große Aula des 11. Jahrhunderts, wird der Fund in einer Vitrine an der nördlichen, rechten Wandseite gemeinsam mit anderen Funden aus der Zeit Karls des Großen präsentiert. In roten Großbuchstaben ist der Schriftzug DRACO auf einem hellen 34 x 15 cm großen Putzstück erhalten geblieben. Darunter sind die Ansätze weiterer Buchstaben zu lesen. Draco könnte einfach ein Eigenname sein, den es um 800 im Frankenreich gegeben hat. Wenn dies der Fall ist, wäre es unwahrscheinlich, das Fragment der Kirche zuzuordnen. Eine zweite Interpretationsmöglichkeit gibt einen direkten Bezug zu den Ereignissen des späten 8. Jahrhunderts. Der Drache könnte als Hinweis auf den Teufel gedeutet werden. Karl der Große hatte die heidnischen Sachsen besiegt und mit ihrer Niederlage und Taufe mussten sie auch ihren alten Göttern abschwören und dem Teufel wiedersagen.  

Trotz vieler Forschungen gibt es also immer wieder Diskussionen und ungeklärte Fragen, das ist nicht ungewöhnlich für die frühmittelalterliche Geschichte.

Text: Dr. Martin Kroker

Publikationsdatum: 12.03.2015

Themen: Und sonst?