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Das Lorscher-Evangeliar Faksimile im LWL-Museum in der Kaiserpfalz - Foto LWL/ F. Frerichs

Herstellung eines Buches im Mittelalter

Im Zeichen der Bildungsreform Karls des Großen - Teil 1

Am 08. September 2019 findet wieder der „Tag des offenen Denkmals“ statt. Dieses Jahr zum Thema „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“. Wir beschäftigen uns in diesem Rahmen mit einem ganz besonderen Umbruch, der karolingischen Bildungsreform. Mit dem Kreativseminar „Abschreiben erlaubt!“ wollen wir uns vor allem der Schriftreform widmen, mit der Karl der Große für Einheitlichkeit in den Schreibschulen sorgte. Sie sollte die Lesbarkeit der handschriftlichen Texte und Bücher sichern. Im Zuge der Vorbereitungen unseres Programms, sind wir vielen altbekannten und neuen Fragen begegnet, wie z.B.: Was wurde geschrieben, und wo wurde überhaupt geschrieben? Worauf wurde geschrieben und womit? Wie teuer war die Herstellung eines ganzen Buchs? Und wie lange saßen die Schreiber an einem solchen?

Schaut man sich die originalgetreue Kopie des Lorscher Evangeliars in unserer Dauerausstellung an, kann man bei dieser großartigen Arbeitsleistung nur ins Staunen geraten. Da es uns jedes Mal aufs Neue so geht, möchten wir euch als kleinen Vorgeschmack auf unser Kreativseminar „Abschreiben erlaubt!“ in dieser Blog-Reihe ins frühe Mittelalter versetzen – und zwar mit den Fragen:

Wie musste man sich die Arbeit an Karls Hofschule zu Zeiten der Reform vorstellen?

Was wollte Karl mit der Reform erreichen?

Das Thema Schreiben und Bildung lag Karl dem Großen sehr am Herzen, insbesondere die religiöse, die für sein Bestreben nach der Christianisierung des Reiches notwendig war.

Und was könnte daher Näher liegen, als einen Blick auf die Entstehungsumstände solcher Bücher – wie dem Lorscher Evangeliar mit der Abschrift der 4 Evangelien – zu werfen?

Was für uns heute in millionenfachen Auflagen, zu jeder Tageszeit im Internet, im Fachhandel oder am Bahnhofskiosk zu erwerben ist, bedarf vor 1000 Jahren einer mühevollen Herstellung.

Wobei sich das Buch des Mittelalters noch ein wenig von unserem heutigen Buch unterschied.

So selbstverständlich wir heute z.B. von Papierseite zu Papierseite blättern, im Mittelalter hätten wir es mit einem ganz anderen Beschreibstoff zu tun gehabt. Die Seiten der Bücher im Mittelalter bestanden nämlich in der Regel aus Pergament. Auch wenn es bereits zu einem früheren Zeitpunkt Bücher bzw. Buchseiten aus Papier gab, sollte es noch bis zum 14. Jahrhundert dauern, bis sich das Papier durchsetzen konnte.

Und auch der Begriff "Buch" ist nicht so ganz korrekt gewählt, denn das Buch des Mittelalters wird auch als codex bezeichnet. Abgeleitet wurde der Ausdruck vom lateinischen caudex „Holzklotz“, da die damaligen Buchdeckel aus Holz bestanden. Öffnete man nun diesen codex, erwartete den Leser ein von Hand geschriebener Text, denn erst im 15. Jahrhundert wurde der moderne Buchdruck mit beweglichen Lettern von Johanes Gutenberg erfunden und sorgte für höhere Produktionszahlen. Bis dahin blieb die Produktion von Büchern ein aufwendiges Handwerk, das hier Schritt für Schritt erklärt werden soll. 

Buchdeckel des Faksimile / Foto: LWL

Fabian Frerichs

Publikationsdatum: 28.08.2019

Themen: Was ist da los?, Unsere Ausstellung