Willkommen auf unserem Museumsblog!

Blickt mit uns hinter die Kulissen des Museumsalltag: Wie kommt ein Exponat in die Vitrine? Wie wird Geschichte gemacht und wer macht sie eigentlich? Wie arbeitet unsere Stadtarchäologie?

Ansprechen und Mitmachen sind sehr willkommen!

Von wegen mal eben aufbauen: Das Exponat wird genau untersucht. Foto: LWL/Burgemeister

Aufgebaut und hereinspaziert!

Von den Emotionen bei der Ankunft der Exponate

Es klingelt an der Museumstür. Die schwere Pforte öffnet sich und herein kommt ein gigantischer Koffer an der Hand einer jungen Frau. Ein paar kurze und herzliche Begrüßungsformeln - schon geht es zielstrebig eine Etage tiefer, hinab in die Kaiserpfalz. Mit einem Akkuschrauber müssen die Verschlüsse des Koffers geöffnet werden. Gleich mehrere Schließen klacken laut. Dann hebt sich der Deckel - und man sieht immer noch nichts. Unter Unmengen von Seidenpapier, Styropor und weichem Schaumstoff ist es nur zu erahnen, eines der Prachtstücke der Ausstellung "1000 Jahre Abdinghof". Allein diese Ankunft ist ein Erlebnis für sich.

Noch ist sie leer die große Vitrine in der Kapelle. Foto: LWL/Burgemeister

Ein Jahr lang haben Nina Marschler und Katharina Wochnik unter der Regie von Museumleiter Dr. Martin Kroker nichts anderes gemacht als zu recherchieren. Aus der ersten Idee galt es, eine konkrete Ausstellung zu machen. Riesige Bücherstapel, stundenlange Expeditionen im World Wide Web, endlose Telefonate: suchen, suchen, suchen lautete die Devise. Nach Informationen, nach neuen Forschungsergebnissen, nach möglichen Themen und vor allem nach Exponaten, die 1000 Jahre Klostergeschichte in allen Facetten illustrieren. Reisen standen auf dem Programm, um die herausgesuchten Stücke selbst in Augenschein zu nehmen. Verhandlungen mit den Leihgebern, Festlegen der Ausleihkonditionen, Konzeption der Präsentation der Stücke in der Ausstellung selbst, Organisation der Vitrinen: Es ist ein langer und manchmal dorniger Weg. Entsprechend hoch schnellt der Puls, wenn der Schreibtisch in den Hintergrund rückt und die bis dahin virtuelle Ausstellung reale Gestalt annimmt.

So sieht es aus, wenn der Aufbau im vollen Gange ist. Foto: LWL/Burgemeister

Der Puls steigt mit dem ersten Hämmern und Sägen

Der Puls steigt bereits, wenn die ersten Hämmer und Sägen in der Kaiserpfalz zu hören sind und am Eingang ein Schild hängt: "Wegen Aufbau der neuen Sonderausstellung geschlossen." Das ist die Musik, die jeder gern hört, wenn er eine Ausstellung konzeptioniert hat. Das bedeutet: Es geht los! Endlich! Die Schreiner und Handwerker rücken mit Holzplatten und Unmengen Werkzeugkoffern an. Was in der Werkstatt bereits passgenau nach den Plänen und vorherigen Messungen angefertig wurde, wird jetzt aufgebaut, festgeschraubt, genagelt, gehämmert, gesägt. Zettel liegen wie von Geisterhand drapiert genau dort, wo später die Vitrinen eingebaut werden. Darauf steht genau, welches Objekt hier wie in Szene gesetzt werden soll. Die Pinsel und Farbeimer liegen bereit, um jedem Thema seine eigene Leitfarbe zu geben. Ganz zum Schluss kommen die Fachleute, die Zitate, Sprüche, Grafiken, Erklärungen mit speziellen Folien auf die Wände zaubern. Hier weiß jeder, was er zu tun hat - manchmal ganz ohne viele Worte.

Frisch ausgepackt: Eine Urkunde kommt an. Foto: LWL/Burgemeister

Das Adrenalin verwandelt die Unruhe in Euphorie, wenn die Klingel am Museum nicht mehr zur Ruhe kommt. Das bedeutet: Die Exponate kommen an, eines nach dem anderen. Urkunden, wertvolle Arzeibücher, Graduale, ein Bischofsstab. Jetzt zeigt, sich, ob die Theorie auch in der Praxis funktioniert. Ein Stück nach dem anderen wird aus seiner schützenden Verpackung befreit. Kundige Hände untersuchen noch einmal jede Seite, verzeichnen den Zustand bei der Anlieferung. Formulare werden ausgefüllt, die Vitrine wird vorbereitet. Stützen werden hin und her gerückt. Das Handy misst das Licht, das das Exponat erhellt: Es darf nicht zu viel und auch nicht zu wenig sein. Temperatur und Luftfeuchtigkeit: Alles muss stimmen, für alles gibt es eigene Messgeräte. Die Buchstützen werden so lange modelliert, hin und her geschoben, millimeterweise angepasst, bis das Buch, das Gefäß, das Tuch genau im richtigen Winkel und Licht in der Vitrine liegen. Noch einmal schnell mit Spezialtuch und Spezialreiniger die Fingerspuren und feinen Staubpartikel vom Glas entfernt: Fertig ist die ideale Präsentation des Exponats. Was hier schnell aufgezählt ist, kann manchmal Stunden dauern. Restauratoren stehen bereit, ebnen den Weg, überwachen die Instrumente. Gleich mehrere Hände braucht es, um gleichzeitig Licht und Vitrinenwände zu regulieren.

Ausrichtung eines besonders prachtvollen Exponats. Foto: LWL/Burgemeister

Es summt und brummt jetzt in jedem Winkel der Ausstellung wie in einem Bienenstock. Hektisch wird herumgelaufen, in anderen Ecken angeregt diskutiert, ob nicht vielleicht doch noch das Licht anders ausgerichtet, das Exponat in einen anderen Winkel gedreht werden soll. Wer das noch nicht erlebt hat, findet sich hier in einem ganz anderen Kosmos wieder.

Ob die Faszination, die hier mit den Händen zu greifen ist, auch auf die Besucher wirkt, wird sich erst nach der Eröffnung zeigen. Dann steht der nächste und entscheidende Adrenalinschub bevor. Viele Besucher, viele neugierige Fragen, eine Notiz im Gästebuch: Das ist am Ende der Lohn für viel Arbeit und Engagement. Bis dahin zählt der Augenblick - und davon gibt es viele, die schlichtweg ganz und gar verzaubern.

Beobachtet von: Katja Burgemeister

Publikationsdatum: 03.07.2016

Themen: 1000 Jahre Abdinghof