Willkommen auf unserem Museumsblog!

Blickt mit uns hinter die Kulissen des Museumsalltag: Wie kommt ein Exponat in die Vitrine? Wie wird Geschichte gemacht und wer macht sie eigentlich? Wie arbeitet unsere Stadtarchäologie?

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Außenansicht der ottonisch-salischen Pfalz – unser heutiges Museumsgebäude. Foto: LWL/ K. Burgermeister

Durchblick behalten!

Die Glasfenster in der Kaiserpfalz

Für uns sind verglaste Fenster heutzutage selbstverständlich. Wir behängen und bemalen sie, es gibt sie in allen erdenklichen Formen, Mustern und Farben. Doch wie sah das damals aus? Dieser Blogbeitrag möchte beim Thema Fensterglas in der Geschichte der Stadt Paderborn zu etwas mehr Durchblick verhelfen.

 

Zunächst ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, dass es Glas für die Fenster nicht schon immer gab, sondern Material und Verarbeitungstechnik erst entdeckt werden mussten. Davor, etwa in der Bronzezeit, wurden z.B. Tierhäute auf Holzrahmen befestigt, die in Fensteröffnungen gestellt wurden, um Licht und kalte Luft fernzuhalten. Oder man verwendete einfach Holzläden, denn Holz zählt zu den ältesten Werkstoffen für Fenster. Um 1500 v.Chr. wurden erste Glasgegenstände (wie z.B. Gefäße) in Ägypten nachgewiesen. Da die Herstellung der kostbar und aufwändig war, gab es 674 erstmals Glasfenster in englischen Kirchen. Bis ins späte Mittelalter benutzen gerade die einfachen Leute Leinentücher als Vorhänge.

Im 8. Jahrhundert holte sich Karl der Große dann in seinem Frankenreich eigene Handwerker an den Hof, um Fensterglas herzustellen und schaffte sich damit etwas ganz Besonderes. Nur die wichtigsten Räume, wie etwa die Aula und die Kirche der Kaiserpfalz Paderborn bekamen Glasfenster, denn es war selbst für den König sehr teuer und hatte eine aufwändige Herstellung. Gleiches galt für Trinkgläser und Glasschüsseln für die feierliche Tafel des Königs.

Korbinian Stoeckle am Ofen der Glashütte Gernheim (LWL-Industriemuseum). Foto: LWL/J. Brandt

Doch nun zur Praxis: Wie wurde Glas damals hergestellt?

Im Mittelalter brauchte man Quarzsand, Pottasche (Kaliumsalz der Kohlensäure, ein weißes Pulver) und Kalk. Diese drei schmolz man bei ungefähr 1400°C zu einer flüssigen Masse zusammen. Man ließ es ein wenig abkühlen und versuchte dann es in seine gewünschte Form zu bringen. Dazu benötigte der Glasmacher eine Glasmacherpfeife und nahm ein wenig zähflüssiges Glas aus dem Ofen und formte es zu einem Ballon, indem er in die Pfeife hineinpustete. Diesen Ballon konnte man nun erneut erhitzen, aufschneiden und flach ausbreiten. Dadurch konnte man das flache Glas weiter zu Fensterglas verarbeiten. Dieser Vorgang war aber kompliziert, denn das Glas durfte nicht zu heiß und nicht zu kalt werden. War es zu heiß, floss es weg und verlor seine Form. War es zu kalt, wurde es zu starr zum Bearbeiten und zerbrach. Auch über das Mittelalter hinaus waren Glasscherben weiterhin so wertvoll, dass man sie bei einem Umzug mitnahm und vererbte. Doch je reicher die Paderborner Bürger wurden, desto größer und zahlreicher waren auch die Fensterscheiben, die das Stadtbild schmückten. Daher wurde bald – wie für so vieles – eine Steuer für Fenster erhoben. Um die Kosten zu veranschaulichen, habe ich ein Beispiel aus England gewählt, da und leider nur aus wenigen Ecken Europas Aufzeichnungen überliefert sind. So musste in England 1695 bei Gebäuden mit 10 bis 20 Fenstern vier Shilling und für mehr als 20 Fenster acht Shilling bezahlt werden, das entspricht heute ca. 30 Cent und 60 Cent.

Buntes Glas aus Paderborn. Foto: LWL/N. Baumann

Und die Farben?

Man verwendete Mineralien, zum Beispiel Lapislazuli, und färbte die Gläser auf diese Weise blau. Dies war zusätzlich nochmal sehr aufwändig und teuer, denn die Mineralien musste über das Meer (daher auch der Begriff ultramarin: „über die See“) nach Paderborn gebracht werden. Außerdem musste es aus Afghanistan verschifft werden. Daher mussten die Arbeiten zweitweise sehr lange pausieren („Blaupause“).

Grüne Farbe rührt hauptsächlich vom Eisenoxid im geschmolzenen Sand.

Die bunten Fenster im heutigen Paderborner Dom sind zwischen 1982 und 1988 hergestellt und eingesetzt worden.

 

Hier in Paderborn haben die Archäologen, die die Pfalz ausgegraben haben, Glasreste gefunden. Die Funde beinhalteten auch die Überreste der Innenwände eines Schmelzofens für Glas. Das zeigt, dass hier in Paderborn Glas hergestellt worden ist. Diese könnt ihr euch in einer Vitrine in der Ausstellung auch näher anschauen! Haltet auch Ausschau nach dem unscheinbar wirkenden Stein in der Vitrine daneben, denn darauf befinden sich getropfte Reste, die die Glasverarbeitung Paderborn belegen!

 

Nadine Merschmann

 

Literatur: Bergmann, Rudolf: Studien zur Glasproduktion seit dem 12. Jahrhundert im östlichen Westfalen, Münster 2008.

Geschmolzene Gralsreste bezeugen die Glasverarbeitung hier in Paderborn. Foto: LWL/N. Merschmann