Willkommen auf unserem Museumsblog!

Blickt mit uns hinter die Kulissen des Museumsalltag: Wie kommt ein Exponat in die Vitrine? Wie wird Geschichte gemacht und wer macht sie eigentlich? Wie arbeitet unsere Stadtarchäologie?

Ansprechen und Mitmachen sind sehr willkommen!

Quelle: Reliquienbüste des Kaisers Heinrich II. Östliches Westfalen (?), 1. Viertel 15. Jahrhundert Paderborn, Erzbischöfliches Diözesanmuseum und Domschatzkkammer. Foto: Ansgar Hoffmann. In: Stiegemann, Christoph, Kroker, Martin (Hrg.).: Für Königtum und Himmelreich. 1000 Jahre Bischof Meinwerk von Paderborn. Katalog zur Jubiläumsausstellung im Museum in der Kaiserpfalz und im Erzbischöflichen Diözesanmuseum. Paderborn 2009/2010.

Zum heutigen Gedenktag: Wie wurde Heinrich II. heilig?

Der Mensch will sich erinnern und erinnert werden. Wir erinnern uns an vergangene Zeiten, an ganz besondere Menschen oder Orte. Wir streichen uns Geburtstage in Kalendern an oder zünden eine Kerze an Todestagen. Diese Erinnerungskultur geht bei manchen Menschen und Taten noch einen Schritt weiter: Wir legen für sie Gedenktage fest. So zum Beispiel auch für Heinrich II., der von 1014-1024 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches war. Sein Gedenktag ist heute am 13.Juli. Er wurde nach seinem Tod zum Heiligen ernannt. Aber was muss man dafür geschafft und geschaffen haben? Das möchte der folgende Blogbeitrag näher betrachten.

Gerade in Verbindung mit der Kaiserpfalz Paderborn werden sich vielleicht die einen oder anderen an Heinrich II. erinnern. Die Mitarbeitenden unseres Hauses tun das jedenfalls täglich, denn aus seiner Pfalz wurde unser Museum errichtet. Allen, denen das anders geht, sei auf die Sprünge geholfen! Also spule ich etwas vor:

Der Bamberger Dom 1880. Foto: Pixabay/ WikiImages.

Heinrichs Geschichte ist längst nicht nur auf Paderborn beschränkt. Sein Wirken reicht bis nach Bayern. Davon zeugt der Bamberger Dom auch noch heute, dessen Erbauung Heinrich selbst in seinem Krönungsjahr in Auftrag gegeben hatte.

Das Kaisergrab von Heinrich II. und Kunigunde im Bamberger Dom. Foto: W. Bulach./Wikimedia.

Im 1007 wurde die Stadt Bamberg zum Bistum und er sorgte so weiterhin für die Verbreitung der christlichen Religion. Sieben Jahre später wurde er von Papst Benedikt VIII. zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt.

Elfenbeinkästchen, sogenannter Schmuckkasten der Hl. Kunigunde. Aus St. Stephan in Bamberg, erworben 1860 mit der Sammlung Martin von Reider, Bamberg. Foto: Bayrisches Nationalmuseum.

Heinrich II. hat auch eine Besonderheit zu bieten: Er und seine Frau Kunigunde sind das einzige deutsche Herrscherpaar, welchem die Ehre zuteilwurde, heiliggesprochen zu werden. Dies erfolgte für Heinrich am 14. März. 1146 durch Papst Eugen II. und 1200 für Kunigunde.

Stiftungen und das Errichten von neuen Klöstern und Kirchen dienen auch heute noch als Zeichen Heinrichs Frömmigkeit. Auch Bernd Schneidmüller fragt sich in seinem Artikel „Heinrich II. und Kunigunde. Das heilige Kaiserpaar des Mittelalters“ bereits: „Wie wird man im Mittelalter heilig?“

Eine Antwort darauf liefert der deutsche Historiker für mittelalterliche Geschichte, indem er für die Heiligsprechung des Ehepaares festhält:

„Sie schufen auf ihre Weise Erinnerung, die bis heute wirkt: in der Wiedererrichtung des Bistums Merseburg 1004, in der Stiftung des Bistums Bamberg 1007, in der Beförderung Meinwerks zum Bischof von Paderborn 1009 und damit in der Ausgestaltung der Bischofstadt an der Pader.“ Auch sollte sein guter Freund Meinwerk, den er zum Bischof von Paderborn ernannte, der Stadt in Ostwestfalen zu neuer Blüte verhelfen. Aber das Wirken von Heinrich II. und seiner Frau führt noch weiter. An die Pfalz Karls des Großen, der seinen Paderborner Palast im 8. Jahrhundert errichtete, grenzt nördlich die ottonisch-salische Kaiserpfalz, dessen Namen sie u.a. Heinrich II. zu verdanken hat. Denn Heinrich II. (letzter ottonischer Kaiser) und Konrad II., (erster aus dem Geschlecht der Salier) nutzen diese herrschaftliche Residenz oft. Daher gelang sie zu ihrer Bezeichnung.

 

Aber ein jedes noch so tatenreiche und fromme Leben geht einmal vorbei, so auch das von Kaiser Heinrich II., als er 1024 im Alter von 52 Jahren kinderlos verstarb. Die Paderborner haben jedenfalls allen Grund, Heinrich II. in guter Erinnerung zu behalten, denn er hat die Stadt an der Pader mit Hilfe von Meinwerk zur neuer Blüter verholfen. Ein Hoch auf Heinrich!

Literatur:

  • Schneidmüller, Bernd: Heinrich II und Kunigunde. Das heilige Kaiserpaar des Mittelalters, In: Dick, Stefanie, Jarnut, Jörg, Wemhoff, Matthias (Hrg.): Kunigunde – consors regni. Mittelalterliche Studien. Vortragsreihe zum tausendjährigen Jubiläum der Krönung Kunigundes in Paderborn, Bd. 5, München 2004.
  • Legende der Heiligen für die katholische Schulen und katholische Familien von Karl Borromäus Bestlin, Stadtpfarrer in Weil der Stadt (Wiesensteig, 1857).

Ebenso liefert die Führung des Museums "Zwischen Reich und Kirche" Informationen zu Heinrich II.

Internet:

Für junge Leser:

Publikationsdatum: 13.07.2018

Themen: Was ist da los?