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Blickt mit uns hinter die Kulissen des Museumsalltag: Wie kommt ein Exponat in die Vitrine? Wie wird Geschichte gemacht und wer macht sie eigentlich? Wie arbeitet unsere Stadtarchäologie?

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Ein Schädel erzählt Geschichte

Exponat des Monats 1

Heute starten wir eine neue Kategorie. Jeden Monat werden wir ein Objekt aus unserem Museum vorstellen. Viel Spaß beim Lesen!

Aus aktuellem Anlass ist unser erstes „Exponat des Monats“ dieser Schädel aus Eschwege-Niederlone, denn er ist auch unser „Gesicht“ für den Internationalen Museumstag, der am 21.05.2017 unter dem Thema „Spurensuche. Mut zur Verantwortung“ stattfindet. Zugegeben, der Schädel ist nicht unser hauseigenes Exponat, sondern eine Dauerleihgabe der Museumslandschaft Hessen Kassel. Aber dennoch ist er ein wichtiger Teil unserer Ausstellung.

 

Plakat zum Internationalen Museumstag 2017

Der Schädel datiert in die 2. Hälfte des 8. bis in das 9. Jahrhundert und gehört zu einem jungen Mann, der in Folge der Schädelverletzungen starb. Ihm wurden mit einem Schwert zwei deutlich sichtbare  Verletzungen zugefügt, wobei der Schlag an der linken Seite im Bereich des Stirn- und Scheitelbeines wahrscheinlich erst erfolgte, als der Mann bereits am Boden lag.  Diese Verletzungen waren so schwer, dass der Tod sofort eintrat.

Menschliche Überreste sind eine wichtige Informationsquelle für Archäologen.  Sie verraten etwas über Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand der jeweiligen Person und damit auch über die Gegebenheiten  in den jeweiligen Epochen. Knochen können aber auch etwas über die Ernährung der Menschen verraten, da  Gesundheitszustand und Ernährung durchaus in einem Zusammenhang stehen. So weisen feine waagerechte Linien, sogenannte Harris-Linien, die jedoch nur im Röntgenbild  sichtbar werden, auf eine Mangelernährung hin. Aber auch Krankheiten wie Skorbut oder Rachitis geben Hinweise auf die Lebens- und Ernährungsbedingungen der Menschen.

Objekte wie unser Schädel, aber natürlich auch alle anderen menschlichen Überreste, die als Ausstellungsobjekte in Museum zu sehen sind, müssen respektvoll behandelt und die Menschenwürde berücksichtig werden. Die angemessene Darstellung ist ein wichtiges Thema innerhalb der Museen. Der International Council of Museums, eine wichtige internationale, wenn auch nicht staatliche Organisation, die zur engeren Zusammenarbeit von Museen gegründet wurde, hat zu diesem sensiblen Thema extra ethische Richtlinien herausgegeben.

Text: Anna-Lisa Rosenthal

Publikationsdatum: 05.05.2017

Themen: Ein Blick hinter die Kulissen