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Des Archäologen Gespür für Schnee...

Nachdem uns der Frost in der vorletzten Woche einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte, konnten die Baggerarbeiten auf dem Domplatz letzte Woche nun endlich weiter gehen. Die Kältephase hatten wir für ausgedehnte Dokumentationsarbeiten genutzt. Chris und Stefan trotzen hier der Kälte.

Die Steinpackung von Westen

Wie zu erwarten, ließ sich die bereits zu Anfang der Grabung entdeckte Friedhofsmauer auch im weiteren Verlauf des Kanalschachtes nachweisen. Bereits nach wenigen Metern taucht auf der Nordseite der Mauer eine mächtige Steinpackung auf, die an eine Abzweigung denken lässt.

Das Paket von Norden, darüber die Friedhofsmauer

Bei genauerem Hinsehen wird jedoch deutlich, dass es sich um Teile einer großflächigen Verfüllung handeln muss, die sich an der Oberfläche wie Teile eines ehemaligen Pflasters präsentieren.

LWL/K.Mückenberger

Weiter im Takt nach Osten: Die Oberkante der Mauer auslassend, wird der Schnitt in der nördlichen Hälfte weiter abgetieft. Die zuvor deutlich sichtbare Steinpackung ist nach wenigen Metern einfach verschwunden und wird hier durch einfachen Schutt aus Erde und kleineren Steinen ersetzt.

LWL/K.Mückenberger

Wir können also tiefer gehen und so auch den unteren Abschluss der Mauer verfolgen. Das Problem ist nur, dass da zunächst kein unteres Ende zu erkennen ist!

Im weiteren Verlauf wird deutlich warum: Die Friedhofsmauer gründet hier auf einem älteren Fundament, dass gut und gerne 1,30m hoch ist und im unteren Bereich bereits auf dem gewachsenen Felsen aufsitzt. Ein paar größere, schräg stehende Steine, die zunächst nur nach Mauerversturz aussahen (Rechte Bildhälfte), entpuppen sich nach ihrer Freilegung als Reste eines Steinbogens, der einen alten Eingang markiert. Wir haben es hier also mit dem Kellerraum eines ehemaligen Hausses zu tun, das nach seiner Aufgabe Teil des spätern Friedhofareals wurde. Super – jetzt bitte noch ein paar Funde, die uns das ganze datieren helfen und die Sache ist perfekt. Vielleicht findet sich ja in der Nordhälfte noch etwas Scherbenmaterial?

Hier die Befundlage noch mal von Osten:
Im Vordergrund der Kellerraum mit dem Bogenansatz. In der rechten Hälfte ist er aus Sicherheitsgründen noch mit Material verfüllt. Auf der linken Seite sieht man die darüberliegende Friedhofsmauer (und Chris und Marian in ihrer Lieblingsarbeitshaltung!). Die Friedhofsmauer zieht sich bis an den Anfang unseres Baggerschnittes durch. In der Mitte die Reste des vermeintlichen Pflasters, an dessen Ende die noch massivere Steinpackung sitzt.
 

Das sind wirklich eine Menge an neuen Befunden für die dritte Grabungswoche. Wie sie zusammenhängen werden wir wohl erst verstehen, wenn wir sie vollständig freigelegt haben. Also ran an die Kellen und Schaufeln!

 

Text: K. Mückenberger