Der Prophet und das Tote Meer

Seit dem 24. Juli 2020 zeigt das Museum in der Kaiserpfalz die Sonderausstellung „Leben am Toten Meer – Archäologie aus dem Heiligen Land“. Hier können die Besucher eine Abschrift des Buches Ezechiel aus der Zeit um 450 n.Chr. bestaunen. Am 17.09.2020 um 19:30 in der Abdinghofkirche wird Prof. Dr. Michael Konkel einen Vortrag über utopische Heilsbilder im Buch des Propheten Ezechiel halten. Doch wer war Ezechiel, was beinhaltet sein Buch und was hat er mit dem Toten Meer zu tun? Diese Fragen sollen im Folgenden geklärt werden.

Ezechiel ist einer der großen Propheten des Alten Testaments. Über seine Person oder seine persönlichen Verhältnisse ist wenig bekannt. Er war ein Zeitgenosse des Propheten Jeremia und Nebukadnezars II., dem König von Babylon. Ezechiel ist Teil der Prophetenbücher (Nevi´im) des jüdischen Tanach und damit im Bibelkanon verankert.  Sein Buch steht in der Bibel zwischen Jeremia und Daniel. Das Buch enthält die Visionen und Worte des Propheten Ezechiel und gliedert sich in vier Kapitel:

 

  • Ez. 1-24 Unheilworte gegen Jerusalem und Juda
  • Ez. 25-32 Unheilworte gegen Fremdvölker
  • Ez. 33-39 Heilsworte an Jahwes eigenes Volk
  • Ez. 40-48 Der sogenannte Verfassungsentwurf des Ezechiel

 

Auch wenn über die Person Ezechiel nicht viel bekannt ist, kann man zumindest seine Lebensumstände und die politische Situation seiner Zeit nachvollziehen. Seit 926 v.Chr. gab es in der Region Palästina die Teilstaaten Israel mit der Hauptstadt Samaria im Norden und Juda mit der Hauptstadt Jerusalem im Süden. Nachdem die Assyrer Macht über den Norden erlangten, wurde 722 v.Chr. Israel endgültig von Assyrien erobert, in das Reich integriert und zur assyrischen Provinz umgewandelt. Juda unterstellte sich der assyrischen Herrschaft. Mit der Eroberung Ninives 612 v.Chr. endete auch die assyrische Herrschaft in der Region Syrien-Palästina. Juda wurde nach einigen Auseinandersetzungen weiterhin von einer expansiven Macht unterdrückt: Ägypten. Nach der Schlacht bei Megiddo von 609 v.Chr. setzen die Ägypter Jojakim als König von Juda ein. Damit machten die Ägypter ihren Anspruch auf das Gebiet deutlich. Die Herrschaft der Ägypter währte nicht lange, denn in der Schlacht bei Karkemisch im Jahr 605 v.Chr. wurden sie von den Babyloniern unter Nebukadnezar II. besiegt. König Jojakim, der sich der babylonischen Herrschaft unterwarf, versuchte nach drei Jahren die babylonische Oberherrschaft abzustreifen. Das hatte zur Folge, dass die Babylonier 598 n.Chr. in Juda einmarschierten. Jojakim selbst starb. Der neue König von Juda wurde sein Sohn Jojachin. Jerusalem wurde indes belagert und Jojachin kapitulierte nach wenigen Tagen. Jojachin und die Jerusalemer Oberschicht wurden ins Exil nach Babel verschleppt. Ezechiel war einer dieser Verschleppten. Seine Visionen und Worte beziehen sich unweigerlich auf die politische Situation, in der er lebte. Vor allem Ez. 1-24 und Ez. 25-32 spiegeln das wider. So heißt es in Ez. 30,6: „So spricht der Herr: Es fallen die Helfer Ägyptens, seine herrliche Macht sinkt dahin. Von Migdol bis hin nach Syene fallen die Krieger unter dem Schwert – Spruch Gottes, des Herrn.“

In seinem Buch erwähnt Ezechiel auch das Tote Meer. So heißt es in Ez. 47,8:

 

 „Er sagte zu mir: Dieses Wasser fließt in den östlichen Bezirk, es strömt in die Araba hinab und läuft in das Meer, in das Meer mit dem salzigen Wasser. So wird das salzige Wasser gesund.“

 

Laut der Vision Ezechiels wird das Tote Meer geheilt. Aus diesem Gewässer soll also eines werden, in welchem Leben möglich ist. Was das bedeutet, wird Prof. Dr. Michael Konkel in seinem Vortrag genauer beleuchten.

Wenn ihr mehr über Ezechiel erfahren möchtet, dann begebt euch mit uns auf seine Spuren und erlebt das Tote Meer aus dem Blickwinkel eines Propheten! Wir freuen uns auf euch!

 

Christina Lüke

 

Literatur:

Die Bibel. Einheitsübersetzung Gesamtausgabe. Stuttgart 2001.

Pohlmann, Karl-Friedrich: Ezechiel. Der Stand der theologischen Diskussion. Darmstadt 2008.

Sedlmeier, Franz: Das Buch Ezechiel. Kapitel 25-48. (= Neuer Stuttgarter Kommentar. Altes Testament 21/2). Stuttgart 2013.