Willkommen auf unserem Museumsblog!

Blickt mit uns hinter die Kulissen des Museumsalltag: Wie kommt ein Exponat in die Vitrine? Wie wird Geschichte gemacht und wer macht sie eigentlich? Wie arbeitet unsere Stadtarchäologie?

Ansprechen und Mitmachen sind sehr willkommen!

Bronzebecken aus einem Kindergrab in Nordrheda

„7000 Jahre Kulturlandschaft in Ostwestfalen“. Wie in meinem Beitrag über die Steinzeit und die dazugehörigen Funde des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg möchte ich mich nun der nächsten Epoche – der Bronzezeit – widmen. Doch bevor es mit der Bronzezeit losgehen kann, nochmal einen Schritt zurück in die Steinzeit: Bereits in der Jungsteinzeit beginnt man, einzelne Gegenstände aus Metall (vor allem aus Kupfer) herzustellen. Die Bronzezeit beginnt in Ägypten und im Nahen Osten schon vor 3000 v. Chr. Nach Nordeuropa kommen Gegenstände aus Bronze um 2200 v. Chr. Aber auch hier schwanken die Angaben, wie ich erfahren musste –  je nach dem, wen man fragt. In Westfalen jedenfalls ist der Beginn der Bronzezeit etwas später, nämlich etwa ab 2000-1900 v. Chr. anzusiedeln. Das liegt daran, dass zunächst nur spärlich ein paar Funde den Beginn markieren und erst später viele Funde auf einmal gefunden wurden. Dies hat seinen Grund darin, dass die Rohmaterialien Kupfer und Zinn, aus denen Bronze entsteht, in Westfalen kein natürliches Vorkommen haben und aus anderen Regionen beschafft werden müssen. Die Bronzezeit heißt also deshalb so, weil Metallgegenstände vor allem aus Bronze gefertigt werden. Das Herstellen und Verarbeiten von Bronze schaffte auch hier in der Region neue Handwerkszweige, die die neue Technik perfektionierten. In einer arbeitsteiligen Gesellschaft war man jetzt auf das Wissen dieser Fachleute angewiesen, diese wiederum auf die Händler und den Import der Materialien. Aufgrund dieser aufwändigen und kostspieligen Herstellung leuchtet schnell ein, warum Grabbeigaben aus Bronze für eine gehobene Stellung des Verstorbenen spricht. Die meisten Funde zur westfälischen Bronzezeit stammen in der Tat aus Gräbern, so z. B. Fürstengräber. Ein ganz besonderes Exponat der Sonderausstellung ist das gut erhaltene Bronzebecken aus einem Frauengrab in Rheda-Wiedenbrück. Es belegt, dass es schon zu jener Zeit betuchtere Menschen gab.

Bronzebecken Rheda-Wiedenbrück. Foto: LWL

Dieses Bronzebecken ist verziert und kostbar – keine normale Grabbeigabe, sondern etwas ganz Außergewöhnliches. Es wurde 1911 zusammen mit zwei ineinander gegossenen Bronzeringen, Bronzeröhrchen und einem Spinnwirtel gefunden

Nordrheda-Wiedenbrück, alle Beigaben. Foto: LWL.

Die ursprüngliche Nutzung des Bronzebeckens ist nicht geklärt. Es gab sogenannte Gürteldosen, Vorläufer des Bronzebeckens, die – wie der Name schon sagt – vorne am Gürtel getragen wurden.

Tragen einer Gürteldose nachgestellt. Foto: LWL/ Babette Wiedmann

Größere Exemplare sind für diese Funktion aber nicht geeignet, vermutlich wurden sie als Zeremonialgefäße genutzt. Außer dem Bronzebecken gibt es nur ein weiteres gänzlich erhaltenes Becken in Westfalen Münster-Gittrup.

Vereins-Kopie der „Porta-Fibel“. Foto: LWL

Ein weiteres bemerkenswertes Objekt der Sammlung aus der Bronzezeit ist die sogenannte „Porta-Fibel“, die ähnlich wie unsere heutige Sicherheitsnadel mit der Kleidung verschlossen wurde. Die „Porta-Fibel“ stammt aus Porta Westfalica, wo sie 1896 entdeckt wurde. Ihr Alter kann auf die jüngere Bronzezeit, also vor etwa 3000 Jahren, zurückdatiert werden. Die „Porta-Fibel“ des Ravensberger Geschichtsvereins ist eine Kopie, die seine Mitglieder sich bei einem Berlinbesuch vor dem zweiten Weltkrieg anfertigen ließen. Ein Glück, denn das Original ist nach dem Zweiten Weltkrieg von der Roten Armee nach Russland gebracht worden. So zeigt sich auch in der Bronzezeit der wichtige Beitrag des Vereins für die Forschung: Ohne ihre Bemühungen und das Engagement wäre solche Stücke heute unbekannt!

Urne aus der westfälischen Bronzezeit. Foto: LWL.

In der Bronzezeit wurden auch Waffen weiterentwickelt. Helme und Brustschutz gehörten dazu, da der Besitz des wertvollen Metalls auch kriegerische Auseinandersetzungen mit sich brachte.

Keramikgefäße wurden schon in der Jungsteinzeit hergestellt und mit Sorgfalt und Detailreichtum verziert – doch nicht so in der Mittleren Bronzezeit. Auch bei Bestattungen spielten diese Keramikgefäße nun eine Rolle, denn die späte Bronzezeit ist außerdem durch eine Veränderung in den Arten der Bestattung von Toten gekennzeichnet. Bei den meisten Begräbnissen wurden die verbrannten Überreste des Toten in Gefäßen, v. a. Keramikgefäße (Urnen), begraben. Seit der späten Bronzezeit und in der gesamten Eisenzeit gab es Feuerbestattungen.

Neben Bronze wurde der deutlich „preiswertere“ Feuerstein wieder für Verschiedenes genutzt. Aber auch Geweihe und Knochen kamen als Material zum Einsatz.

Wie ihr seht, ist die Sammlung insbesondere in der Bronzezeit voll von alten Schätzen, die so viel über die Kulturlandschaft Ostwestfalens verraten können. Abgelöst wurde die Bronzezeit von der Eisenzeit. Dieser Zeit wird sich ein nächster Blogbeitrag widmen!

 

 

Literatur:

Bérenger. Daniel, Grünewald, Christoph (Hrsg.): Westfalen in der Bronzezeit. Münster 2008.

Kühlborn, Sebastian-Johann (Hrsg.): Archäologie in Ostwestfalen. Bd. 12. Langenweißbach 2014.

Publikationsdatum: 18.07.2018

Themen: Ein Blick hinter die Kulissen, Was ist da los?, Sonderausstellungen