Willkommen auf unserem Museumsblog!

Blickt mit uns hinter die Kulissen des Museumsalltag: Wie kommt ein Exponat in die Vitrine? Wie wird Geschichte gemacht und wer macht sie eigentlich? Wie arbeitet unsere Stadtarchäologie?

Ansprechen und Mitmachen sind sehr willkommen!

Eröffnung der neuen Sonderausstellung: Das Museum, die Universität und das Erzbistum Paderborn laden herzlich ein.

In den kommenden drei Monaten sind bei uns in einer Sonderausstellung die Museumskoffer der Kunststudierenden der Universität Paderborn zu sehen – und anzufassen! Was aber ist eigentlich ein Museumskoffer? Er ist eine kompakte Entdeckerkiste, ein mehr oder weniger handlicher Vermittlungskasten, der sich mit verschiedensten (historischen) Inhalten befasst – kurzum: ein kleines „Museum to go“ zum Selbsterschließen!

18 solcher Schmuckstücke warten bis einschließlich 21. Januar 2018 darauf, erkundet zu werden. Natürlich birgt jeder einzelne seine ganz besonderen Geschichten und Anekdoten, die hier auf unserem Blog parallel zur Ausstellung zum Besten gegeben werden. Zu Beginn der Ausstellung plaudert Hannah Fernhomberg, die Künstlerin des Libori-Koffers, aus dem Nähkästchen…

Kirmes und Kirche: Wie beides zusammen kommen kann, zeigt der Libori-Koffer, Foto: H. Fernhomberg

Ein Koffer steht auf dem Dachboden einer Ur-Paderbornerin. Er birgt eine Sammlung von kostbaren Dingen rund um das Thema „Libori – die fünfte Jahreszeit“ und sieht aufgebaut aus wie ein kleines Museum. Mein Museumskoffer soll einen erzählerischen Zugang zu diesem besonderen Fest bieten und kann in der Schule eingesetzt werden. Er bezieht sich auf Erzählungen meiner eigenen Familie und vor allem meiner 92-jährigen Oma, die den roten Faden der Geschichte bildet. Wie viele Paderborner liebt sie Libori.

Der Museumskoffer bietet einen praktisch orientierten Zugang zum Thema „Libori – die fünfte Jahreszeit“. Er eignet sich aufgrund der lokalen Bedeutung besonders für Kinder aus dem Paderborner Raum und ist für eine dritte Jahrgangsstufe in der Grundschule konzipiert. Das Thema und vor allem die Kirmes wird vielen Kindern bekannt sein und bietet so zahlreiche individuelle Zugänge. Zudem wird ein Wahrnehmen mit allen Sinnen gefördert.

Es werden Kirmes und Kirche gegenübergestellt und durch Erzählungen meiner Oma innerhalb handgeschriebener Briefe an ihre Freundin Annemarie in Verbindung gebracht. Veranschaulicht durch eine Handpuppe erzählt sie die Geschichte des Liborifestes und der Hintergründe in Paderborn ab 1925 bis heute. Die Schülerinnen und Schüler können sich zusätzlich mithilfe von vorliegenden Wissensbüchern, -prospekten und einem Film das Thema erschließen.  

Bezogen auf die verschiedenen Schwerpunkte – das kirchliche Liborifest, der Pottmarkt, Andenken von Libori, Libori zum Schmecken und Riechen – ist der Koffer in unterschiedliche Teile zum Selbsterkunden aufgeteilt. Eine Holzklappe, die mit einem Pfau bemalt ist, führt beispielsweise zu kirchlichen Aspekten von Libori. Beim Öffnen ertönt der Libori-Tusch. Hier können die Kinder ihr Wissen über religiöse Feierlichkeiten erweitern und mehr über die Bedeutung eines Schreins, den Schutzheiligen Liborius sowie die Prozessionen zu Libori erfahren. Viele Prozessionsteilnehmer tragen kennzeichnende Textilien oder Kopfbedeckungen (ausgestellt: Original-Schützenhut und der Zucchetto des Weihbischofs Grothe) und haben teilweise ihr eigenes Symbol. Angeregt dadurch werden Symbole, Wappen und Orden hinsichtlich ihrer Bedeutung untersucht und selbst hergestellt.    
Altes Porzellan und gesammelte Libori-Motivgläser meiner Oma finden sich hinter einer weiteren Holzklappe und erinnern an den traditionellen Pottmarkt. Sie regen zum Töpfern eigener Gefäße an, die anschließend mit Paderborner Motiven versehen und in Form eines nachgestellten Pottmarkts in der Klasse ausgestellt werden können. Des Weiteren können Ansteckherzen als Beispiel für Libori-Andenken selbst hergestellt und verziert werden. Die Gerüche der Kirmes sollen mithilfe von Geruchsdöschen und geschmacklich mithilfe einer Popcornmaschine nachempfunden werden. Hierfür können in der Klasse eigene Libori-Rezepte kreiert und ausprobiert werden.  
Neben dem Koffer befindet sich ein drehbares Riesenrad mit Playmobilfiguren, an dem – wie auf der Libori-Kirmes – bunte Lichter leuchten. Es dient zum Ausprobieren, Beobachten und als Inspiration für das Kreieren eines eigenen Karussell-Modells in Gruppenarbeit.            
Insgesamt bietet der Koffer eine Bandbreite an kreativen Zugängen und kann neben dem Kunstunterricht auch im Deutsch-, Musik-, Religions- und Sachunterricht zum Einsatz kommen.

 

Hannah Fernhomberg

Publikationsdatum: 26.10.2017

Themen: Ein Blick hinter die Kulissen