Moderne Interpretationen mittelalterlicher Buchkunst fertigten die Schülerinnen des Gymnasium St. Michael an. Foto: LWL/C. Pluschke.
Ein rätselhafter Zierdraht von der Ausgrabung an der Gaukirche. Foto: LWL/Wegener.
Der 300 Jahre alte Besen wird im Wasserbecken platziert.
Foto: LWL/S. Mosch.
Der größte Schatz ist unsere Geschichte: Solche Kruzifixe, an Halsketten getragen, waren im Mittelalter Ausdruck der Frömmigkeit. Foto: LWL/Brentführer.
Es leuchten die Seiten! (1.7. - 1.8.2010)
8 Schülerinnen des Gymnasiums St. Michael präsentieren ihre Arbeiten zur mittelalterlichen Buchkunst, die im Rahmen eines einjährigen Schulprojekts entstanden sind.
Unter der künstlerischen Leitung von Dr. Kristina Hartmann und Thorsten Hoppe Hartmann hatte die Gruppe in Museen, Archiven und Bibliotheken zunächst originale Kunstwerke studiert. Dabei reichte das Spektrum vom Evangeliar des 9. Jahrhunderts aus dem Kloster Corvey bis zu Urkunden aus der 350-jährigen Geschichte des Klosters St. Michael in Paderborn. Danach stellten die Acht- und Neuntklässlerinnen Farben und Tinten nach mittelalterlichen Rezepten her und lernten historische Mal- und Schreibtechniken auf Pergament und Papier. Am Ende des Projektjahres freuen sich die Schülerinnen, ihre kreativen und zeitgenössischen Arbeiten als Einzelblätter und in selbst gebunden Büchern im Museum in der Kaiserpfalz vorzustellen.
Von Kirchenbauern und frommen Frauen - Neue Ausgrabungen an der Gaukirche (21.5. - 29.8.2010)
Etwa 30 ausgewählte Funde aus der aktuellen Ausgrabung veranschaulichen eindrucksvoll die unterschiedliche Nutzung des Geländes an der Gaukirche im Mittelalter.
Bei der Untersuchung des Geländes legen die Archäologen seit 2008 die mittelalterlichen Schichten frei. Dabei kamen unter der barocken Klosteranlage die Mauern des ersten Nonnenklosters in Paderborn zum Vorschein. Ab dem 13. Jahrhundert lebten hier Zisterzienserinnen in schlichten Fachwerkbauten mit Lehmfußboden. Die Objekte in der Ausstellung spiegeln den Lebensalltag im Kloster wieder. Mit dem Bronzegriffel etwa beschrieben die Nonnen Wachstafeln und ein Kamm diente zur Textilherstellung.
Außerdem entdeckte das Team der Stadtarchäologie die Fundamente zweier Öfen, dazu Werkabfälle wie Kupfererz, Fragmente von Wandputz und Gussreste aus Blei und Bronze - die Reste der Bauhütte für die um 1170/80 errichtete Gaukirche. Kosten: Es ist lediglich der Museumseintritt zu zahlen: Erwachsene 2,50 Euro, Ermäßigungsberechtigte 1,50 Euro.
Rückblick
Für Königtum und Himmelreich - 1000 Jahre Bischof Meinwerk von Paderborn (23.10.2009 - 21.2.2010)
Das Erzbistum Paderborn und der(LWL) würdigten mit der Ausstellung Leben und Werk Bischof Meinwerks. Auf 2000 Quadratmetern zeigt die Ausstellung im Erzbischöflichen Diözesanmuseum und im Museum in der Kaiserpfalz Handschriften, Urkunden und liturgische Geräte, aber auch Schmuckstücke, Waffen und andere archäologische Funde des 11. Jahrhunderts aus ganz Europa.
Die Jubiläumsausstellung zum Amtsantritt von Bischof Meinwerk vor 1000 Jahren ließ eine Epoche lebendig werden, in der das Zusammenspiel geistlicher und weltlicher Herrschaft ihren Höhepunkt erreichte und die Bischöfe zusammen mit den Königen das Reich regierten.
Schirmherren der Ausstellung waren der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker, 54. Amtsnachfolger des seligen Meinwerks, und Lutz Lienenkemper, NRW-Minister für Bauen und Verkehr.
Der älteste Besen Westfalens Aktuelle Funde aus dem Gaukirchkloster (12.6. - 31.7.2009)
Die Entdeckung des Reisigbesens im Sommer 2009 sorgte bei der Paderborner Stadtarchäologie für Aufsehen. Denn das öffentliche Interesse an diesem alten Alltagsgegenstand war unerwartet groß. Daher entschloss sich die LWL-Archäologie für Westfalen, den Besen im Museum in der Kaiserpfalz auszustellen.
Da seine Konservierung jedoch mehrere Monate dauert, war die Präsentation in einer normalen Vitrine noch nicht möglich. Daher lag der empfindliche Reisigbesen in einem Glasbehälter mit entsalztem Wasser und wurde gleichzeitig schon gereinigt. Mit der eigentlichen Konservierung begannen die Restauratoren unmittelbar nach der Ausstellung in Paderborn.
Neben dem Besen wurden Tonfigürchen, Bruchstücke der bemalten Glasfenster, eine Handspindel und weitere Alltagsgegenstände von der aktuellen Ausgrabung im ehemaligen Benediktinerinnenkloster präsentiert.
Der größte Schatz ist unsere Geschichte Funde aus der Sammlung Lütkemeyer (18.2. - 21.6.2009)
Die Ausstellung präsentierte 50 ausgewählte Funde aus den untergegangenen Siedlungen Wietheim und Dedinghausen bei Bad Lippspringe. Die Objekte zusammengetragen hat Jens Lütkemeyer als ehrenamtlicher Mitarbeiter der LWL-Archäologie für Westfalen. Mehrere Jahre lang hat er das Gebiet der im 14. Jahrhundert untergegangenen Siedlungen systematisch abgesucht.
Reitersporne und Gewandschließen, verzierte Beschläge und Kruzifixe - die Funde aus den beiden ländlichen Siedlungen spiegeln direkt die großen politischen Ereignisse der alten Kaiser- und Bischofsstadt Paderborn wider. Im Zuge der vier Heeresversammlungen zwischen 776 und 804 verloren ranghohe Krieger aus dem Heer Karls des Großen Teile ihrer Ausrüstung oder tauschten sie mit den Bewohnern der umliegenden Dörfer. So gelangten auch ein Schwertgurtbeschlag und das Bruchstück eines vergoldeten Reitersporns nach Wietheim und Dedinghausen.
Begehrt waren auch Metallobjekte mit einem Kreuz. Die Bauern fertigten daraus Gewandschließen und zeigten so ihren neu angenommenen christlichen Glauben. Und als Bischof Badurad im Jahr 836 die Reliquien des Heiligen Liborius nach Paderborn bringen ließ, kamen Fibeln mit Heiligendarstellung in Mode. Aus späterer Zeit bezeugen Emailfibeln mit Kreuz und Kruzifixe von Halsketten die Frömmigkeit der Dorfbewohner.
Der reisende König (1.10.2008 - 4.1.2009)
Das ostfränkische und das spätere deutsche Reich verfügten über keine feste Hauptstadt. Zur Herrschaftsausübung reisten die Könige und Kaiser durch das gesamte Land. Mit ihnen waren die Mitglieder der Familie und der Hofkapelle sowie Bischöfe, Adelige und Soldaten unterwegs. Als Stationen wurden im ganzen Reich Pfalzen eingerichtet. Sie waren Schauplatz wichtiger Hoftage, Synoden und hoher kirchlicher Feste.
Die Teilnahme an dem Umritt setzte eine hohe physische Stabilität voraus, denn weite Strecken wurden auf dem Rücken eines Pferdes zurückgelegt. So reiste Konrad II. im Jahr 1036 ca. 4750 km durch das Reich und bis nach Italien.
Die Ausstellung zeigt die Pfalzen als wichtigste Station des reisenden Königs und beleuchtet ihre Architektur, Funktion und die mit ihnen verbundenen Personen. Den Ausgangspunkt bildet das Paderborner Pfalzgelände, das mit einer karolingischen und einer ottonisch-salischen Pfalz zwei wichtige Epochen abdeckt. Die Ausstellung vergleicht die Paderborner Pfalzen mit denjenigen in Ingelheim, Werla und Tilleda und präsentiert somit eine bisher nicht dagewesene Zusammenstellung.
Zu den Exponaten aus Ingelheim zählen prächtige Kapitelle, qualitätsvolle Bodenplatten aus Marmor, Schiefer und Kalkstein sowie zahlreiche weitere architektonische Elemente. Sie sollen den repräsentativen Charakter der Anlage zur Zeit Karls des Großen hervorheben, der sich bestens als Hintergrund zur Herrschaftsausübung eignete.
Die Funde und die bauliche Gestaltung der Pfalzen Werla und Tilleda belegen, dass Königspfalzen nicht nur Orte der Herrschaft sondern auch der Versorgung waren. Denn es war ein Großereignis, wenn der König mit seinem Hof tagte. Zahlreiche Begleiter mussten verpflegt werden, Pferde brauchten neue Hufeisen und Reparaturen an der Ausrüstung mussten vorgenommen werden. Gab es bei der Verpflegung Engpässe, konnte es zu tumultartigen Übergriffen kommen. Unter den Exponaten aus Werla und Tilleda befinden sich Hufeisen und Sporen, Handwerksgerät und Produktionsabfälle sowie Spielsteine und ein Jagdbolzen.
Ein großformatiges Modell des Pfalzortes Paderborn im 11. Jahrhundert, ein Modell der Pfalz Tilleda in ottonischer Zeit, sowie eine aufwendige Computeranimation der königlichen Halle der Pfalz Ingelheim geben ein anschauliches Bild der königlichen Reisestationen.